Co-Founder Armin Koller im Portrait

Co-Founder Armin Koller im Portrait

„Roboter sind dazu da, die Arbeit der Menschen zu erleichtern. Und nicht, Ihnen Arbeit wegzunehmen.“ Armin Koller, 39-jährig, Mitinhaber der KEMARO AG hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der Robotik befasst, und kennt die landläufigen Vorurteile: „Die Angst vor Roboter ist so unbegründet wie jene bei der Erfindung des Autos.“ Kollers Weg hin zur Robotik war dann aber eher zufällig. Nach der Lehre zum Polymechaniker bei der Firma Benninger AG in Uzwil bereiste er im Rahmen seiner Tätigkeit als Servicetechniker die ganze Welt. Die Vielfalt an Schweizer Firmen und Produkten beeindruckte ihn stets aufs Neue, auch Nestlé hatte es ihm angetan. „Ihre Produkte waren schon vor 20 Jahren in den abgelegensten Dörfern des Irans zu finden. Das faszinierte mich und zeigte mir, dass auch aus der kleinen Schweiz vieles möglich ist.”

Aus einem alltäglichen Problem zur Geschäftsidee Wie seine Gründer-Kollegen Thomas Oberholzer und Martin Gadient studierte der Hinterthurgauer an der NTB (jetzt OST) in Buchs und arbeitete danach bei der Firma Helbling Technik AG in Wil SG. «Bei mir war es nicht der Jugendtraum der Selbstständigkeit. Aber ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen, davon träumte ich”, so Armin Koller. Im Alltag entstand dann die zündende Idee: Durch die wöchentliche Reinigung in ihrer damaligen Firma am Freitagnachmittag, die auf einer separaten Kostenstelle abgerechnet wurde, sahen sie schwarz auf weiss, wie viel Zeit man in die Reinigung investierte. Und welche beträchtlichen Kosten dabei entstehen. Als das Trio recherchierte bemerkte es, dass es erstaunlicherweise kein passendes Trockenreinigungs-Gerät für die Industrie gab. Erstaunlich deshalb, weil autonome Staubsauger für den Heimgebrauch schon damals etabliert waren. Die Marktlücke war gefunden und die Idee für das Startup geboren. “Anfangs hat mich das Thema Bodenreinigung nicht besonders interessiert. Die Robotik hingegen und deren Anwendungsbereiche fand ich hochspannend.” Darum wird Armin Koller auch nicht müde zu betonen, dass die KEMARO AG keine Firma für Reinigungsgeräte, sondern eine Tech-Firma – spezialisiert auf autonome Robotik sei. Für den Software-Ingenieur war die Innovation und die Anwendung der grösste Motivator.

Zu sportlicher Business-Plan

Nach weiteren Marktrecherchen und dem offensichtlichen Bedarf eines industriellen Trockenreinigungs-Roboters gründeten die drei Freunde ihr Unternehmen: Die KEMARO AG. Mit kreativer Überzeugung und der nötigen Naivität starteten sie die Produktentwicklung und waren sich sicher, dass nach einem Jahr die ersten zehn Roboter verkauft sind. Weit gefehlt, die Realität holte sie sehr schnell ein! Da sie die ersten drei Jahre nur zu dritt waren, mussten sie sich auf das Wesentliche fokussieren. Und die eigenen Ansprüche an das Produkt in einem ersten Schritt reduzieren. Der Kunde wollte einfach eine saubere Fläche, mit oder ohne perfekter Softwarelösung. “Wir gingen einen Schritt zurück, um zwei vorwärtszumachen. Zuerst produzierten wir den simpelsten Roboter, und bauten auf dieser soliden Grundlage auf.” So schafften sie es schliesslich, über zehn Roboter mit einfachen Navigationsalgorithmen an internationale Kunden zu verkaufen. Das Learning sei in Richtung “simpel und pragmatisch” gegangen. Kundenstimmen und die Marktbedürfnisse definierten die Anforderungen neu.

Erste Exporte nach Südamerika

Eine weitere Erkenntnis: Der Finanzbedarf würde ihre bescheidenen Mittel bei weitem übersteigen. Investoren mussten gesucht werden. Im Nachhinein beurteilt Armin Koller diese Erfahrung als äusserst positiv. Durch die Investoren sei wieder neues Geschäfts-Knowhow in die Firma geflossen,

was neue Horizonte eröffnete. Mittlerweile werden die Roboter bis nach Brasilien versandt, was Armin Koller besonders freut. Dank seiner Frau, die ebenfalls aus Brasilien stammt, hat er zu Land und Kultur einen persönlichen Bezug. Für seine Liebste lernte er auch Portugiesisch und Spanisch. Diese Sprachgewandtheit kam ihm schon oftmals zugute. Für die Zukunft wünscht sich Armin Koller, dass die Roboter in den verschiedensten Anwendungsgebieten, auf allen Kontinenten, Flächen sauber machen. “Gerne möchte ich sie dann durch die Cloud beobachten, und mich über sauberen Flächen in Brasilien, Australien oder Japan freuen.” Ein edles Ziel des Firmengründers. Die Vorzeichen dafür stehen aber bestens.